Streetphotography und social landscape photography – ein Versuch auf Deutsch

Eigentlich sind die Wörter auf Deutsch und Englisch weitgehend deckungsgleich. Aber immer mehr Deutsche nehmen die englischen Wörter.

Dabei geht es um die Frage, wo ist der Unterschied zwischen klassischer Straßenfotografie und sozialer Landschaftsfotografie?

  • Der entscheidende Moment auf der Straße mit Menschen = Streetfotografie und
  • die von Menschen gestaltete Umgebung ohne Menschen = soziale Landschaftsfotografie
  • oder manchmal auch beides zusammen als sozial-kulturelle Zivilisationsfotografie (z.B. in der Anwendung in Details bei Martin Parr).

In beiden Fällen ist es ungestellte Fotografie, also keine Konzeptfotografie, weil es immer direkt vor Ort ohne gestellte Szenen geschieht. Je nach Auffassung kann dies auch noch urbane Fotografie sein.

So würde ich unterscheiden.

Warum ich darüber schreibe?

Weil ich für beide Arten des Fotografierens verschiedene Kameras brauche.

Konkret möchte ich dies an einigen Beispielen verdeutlichen.

 

Beispiele für klassische Straßenfotografie

Das Foto mit dem Goldrock und dem Bettelrock lebt davon, daß diese Kombination nur ein paar Sekunden so zu sehen war. Dafür ist eine Kamera nötig, die innerhalb von Sekunden startklar und treffsicher ist.

Goldrock und Bettelrock – Foto Mahlke Streetfotografie

Das gilt auch für das Foto Partnerlook. Gerade mal gefühlte fünf Sekunden stand die Frau so da und der Tiger war parallel daneben so zu sehen. Dann war der Tiger weg und die Frau woanders.  Hinzu kommt natürlich die Ansicht der aufgesteckten Haare. Das ist allein eine ganze Welt für sich, die visuell viel zu bieten hat.

Schnell, präzise und unauffällig unter Wahrung aller Persönlichkeitsrechte und trotzdem gestaltet – das ist die Herausforderung bei dieser Art der Streetfotografie in Anlehnung an Cartier-Bresson in digitalen Zeiten. Mehr Beispiele für dieses Sehen statt Schauen gibt es hier.

Foto Mahlke Partnerlook

 

Beispiel für soziale Landschaftsfotografie

Und nun die soziale Landschaftsfotografie.

Remscheids Party Location und Aldi und die Mauer mit dem Totenfeld:

Party Location

Auf dem Foto kommen wesentliche Dinge zusammen.

Ich besuchte gerade einen guten Bekannten, der viel zu früh gestorben war. Noch halb gefangen von meinen Gedanken ging ich Richtung Ausgang und sah plötzlich diese Kombination und die Symbolik.

So wie ich vorher vor dem Grab stand und die Mauer spürte, die unüberwindbar Leben und Tod voneinander trennt, so klar und so bizarr kam dies alles auf einmal beim Hinsehen an dieser Stelle zusammen.

Wie auf dem Foto zu sehen trennt die Mauer unüberwindbar die Lebenden von den Toten.

Direkt hinter dem Begräbnisfeld sieht man die Party Location und den Aldi, Symbole des Lebens im heutigen Zeitgeist und der Blick kann dem gar nicht ausweichen, auch wenn man still gedenken will.

Das ist für mich ein Beispiel für soziale Landschaft, die von Menschen gestaltet ist und in unserem Kulturkreis heute so zu sehen ist.

ich empfinde bei diesem Foto auch die Gesetze der Welt, die mich bestimmen und heute so ausgeprägt zu sehen sind. Und es handelt sich ja hier um gestalteten Raum.

Dieses Foto ist natürlich keine Streetfotografie.

 

Die Kamerafrage

Für dieses Foto brauche ich auch keine Digitalkamera mit einem möglichst kleinen Sensor, die durchgängig von vorne bis hinten scharf stellt und möglichst schnell zur Sache kommt. Hier geht es vielmehr um das Festhalten des Wesentlichen, das sich nicht bewegt sondern eher für die Ewigkeit gemacht wurde.

Hinzu kommt bei der Bearbeitung des Fotos und der Gestaltung mit Farben und Filtern die Anmutung und der Unschärfeverlauf, der dies dann so zum Ausdruck bringen soll.

Und genau das meine ich, wenn ich darüber schreibe, daß ich unterschiedliche Kameras für unterschiedliche Situationen brauche.

Für Streetfotografie möglichst schnell und handlich und für soziale Landschaftsfotografie möglichst gestaltend und auch größer und noch größer.

 

Wer das Thema der sozialen Landschaftsfotografie noch etwas vertiefen will, dem kann ich diesen verlinkten Artikel empfehlen, der sich mit den sozialkritischen Fragen beschäftigt oder auch die Arbeit von Martin Parr, der diesen konkreten Zeitgeist unserer Gesellschaft detailliert und konkret fotografiert.

Wissenschaftlich ist das Thema der sozialen Landschaft in der Fotografie auch schon bearbeitet worden, nur mit den Kameras noch nicht.

Das Thema mit den Kameras kann man noch vertiefen aber ich höre hier erst einmal auf.

 

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